Das Drehbuch

Dieses Script ist vor allem für Studenten der Film‐ und Fernsehhochschulen und andere

Filminteressierte gedacht. Da Drehbuch und Roman parallel entstanden sind, ergeben sich zahlreiche Studienmöglichkeiten im Hinblick auf Dramaturgie und szenische Gestaltung einer Handlung.

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Wie das Drehbuch entstand

Dieter E. Wilhelmy

 

Die Umwandlung einer literarischen Vorlage in ein Drehbuch ist üblich. Bei RÖPECKA war es umgekehrt. Zuerst schrieb ich das Drehbuch, nichts anderes als die Umsetzung von „Bildern im Kopf“ in eine filmische Dramaturgie. Ein Drehbuch jedoch enthält in der ersten Fassung im wesentlichen Dialoge und wenige szenische Hinweise. Erst im weiteren Produktionsprozess mit Regie, Szenenbildnern, Ausstattern, u.s.w. entsteht das fertige Script mit allen detaillierten Regieanweisungen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

 

Nach der ersten Drehbuchfassung für RÖPECKA begann ich den umgekehrten Prozess. Beim Schreiben der Novelle mussten die „Bilder im Kopf“ wieder auferstehen und in Texte verwandelt werden.

 

Drehbuchschreiben ist ein Verdichtungsprozess, der i.d.R. keine epische Breite zulässt. Was im Roman geschildert, beschrieben und reflektiert werden kann, sollte beim Film in den Köpfen der Zuschauer entstehen, nicht auf der Leinwand.

 

Anders beim Lesen. Die breitere Schilderung im Text muss auch den „inneren optischen Rahmen“ liefern für die Phantasie des Lesers. Der wandelt die Worte des Autors, wie ausführlich er auch die Szenerie beschreibt, in seine eigene Bildersprache um.

 

 

Zudem verlangt der Roman eine andere Dramaturgie als der Film. Rückblenden, d.h. das Einschieben von Erinnerungsbildern, zeitlichen Rücksprüngen sind im Film zu realisieren, ohne dass der Zuschauer den „Faden verliert“. Der Hauptstrang der Handlung lässt sich durch die Szenerie, die Ausstattung der Protagonisten und die optische Bildgestaltung, steuern.

 

Bei der literarischen Form besteht die Gefahr, dass sich der Leser im Gestrüpp der Handlungsstränge verirrt. Zumal der das Buch in der Regel nicht in einem Zug liest, sondern irgendwann abends im Bett ein Lesezeichen zwischen die Buchseiten schiebt und zwei Tage später die Lektüre fortsetzt.

 

Die unterschiedlichen dramaturgischen Mittel zwischen Roman und Drehbuch lassen sich am Beispiel RÖPECKA durch die Gegenüberstellung von Roman und Drehbuch im Detail erforschen.

 


DREHBUCH RÖPECKA

 - Auszug -

 

EXT. FLENSBURG OLUF-SAMSON-GANG TAG

 

Vor einem der mittelalterlich anmutenden Häuser hat sich ein Kreis  betroffen blickender Prostituierter gebildet. Ihr schrilles Outfit, einige haben sich einen Mantel über die Dessous gezogen, steht in krassem Gegensatz zur übrigen Szenerie. Vor dem kleinen Haus parkt ein Leichenwagen. Die Frauen starren auf den offenen Hauseingang, aus dem schwarz gekleidete Träger einen Blechsarg heraustragen und umständlich in den Leichenwagen schieben. Im Vordergrund ein Mann mit langen rotblonden Haaren (CARLO). Das Gesicht bleibt verborgen. Als der Wagen abfährt, greift er nach einer Kette, die er um den Hals trägt und zieht sie aus dem Hemdausschnitt. An ihr hängt ein einfaches Kreuz. Seine Hand krampft sich um die Kette und und das Kreuz, bildet eine Faust und reißt sie mit einem Ruck los. Die Augen, die Wut und Trauer ausdrükken.

 

(Schwedische Landschaft aus der Vogelperspektive. Ein gelbes Postauto auf einem kurvigen Waldweg)

 

INT. SCHWEDISCHES POSTAUTO TAG

 

(Die POSTBOTIN, strenges, freudloses Gesicht mit Kurzhaarfrisur, in Postuniform. Neben ihr ein junges Mädchen, SMIRNA, in Jeans und Kapuzenpullover, hat ein flaches Päckchen auf dem Schoß)

 

                POSTBOTIN

    Widerlich, dieser Mensch, bekommt jeden Monat diese    Hefte, Schmutz und Schund.

 

                SMIRNA

(sieht sie fragend und gleichzeitig vorwurfsvoll an)

 

                POSTBOTIN

    Ja, ja, ich weiß. Ich sollte eigentlich nicht wissen, was  in der Post ist. Aber das Paket war einmal eingerissen  und man konnte sehen, was drin ist, widerlich! Und ich muss ihm den Dreck auch noch jeden Monat zustellen.

(Das Postauto biegt auf einen Hofplatz, Eine Scheune und mehrere Schuppen gruppieren sich um ein rotgestrichenes Haupthaus. Verrostete Geräte und ein Auto sind halb im Buschwerk eingewachsen. Ein alter Volvo steht neben dem Haus geparkt)

 

                POSTBOTIN

    Gib her, ich bring ihm das rein. Er muss dich nicht sehen. Sonst kommt er noch auf falsche Gedanken.

(Sie verlässt den Wagen, geht auf das Haupthaus zu. Die Eingangtür steht offen)

 

EXT. EINSAMES GEHöFT IN SCHWEDEN TAG 

 

               POSTBOTIN

    Hallo, die Post!

(Sie wartet einen Moment und legt dann das Päckchen auf die Türschwelle. Während sie sich zum Wagen wendet, fällt ihr Blick auf das offene Scheunentor. Sie verharrt und starrt in die dunkle Öffnung. Zögernd nähert sie sich, erstarrt, macht dann noch einen Schritt, schlägt die Hände vors Gesicht, wendet sich um und torkelt zum Wagen. Smirna hat den Wagen verlassen und geht unsicher auf die Postbotin zu)

 

                POSTBOTIN

      (hebt abwehrend die Hände)

    Nein! Nein! Sieh nicht hin! Sieh nicht hin!

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